Inzuchtkoeffizient (IK)

Der Inzuchtkoeffizient ist ein zahlenmäßiger Ausdruck der Wahrscheinlichkeit für  die Herkunftgleichheit der beiden Gene eines Genortes.

Herkunftgleichheit bedeutet, das die beiden Gene eines Genlocus in der Meiose entstandene Kopien ein und desselben Gens sind. Vereinfacht gesagt gibt der IK Auskunft darüber wie nahe die beiden Elterntiere miteinander verwandt sind, d.h. ob sie gleiche Vorfahren haben.

Für die Berechnung werden alle Ahnen die sowohl in der Vater- als auch in der Mutterlinie mehrfach vorkommen eingerechnet.

Die Formel hierzu wurde von S. Wright, dem Begründer der Populationsgenetik entwickelt. 

(F_I=?(1/2)^n_1+n_2+1·(1+F_A_i)

n_1 = Anzahl der Generationen vom Vater zum gemeinsamen Ahnen
n_2 = Anzahl der Generationen von der Mutter zum gemeinsamen Ahnen
F_A_i = Inzuchtkoeffizient des gemeinsamen Ahnen

  

Die Berechnung des IK erfolgt in der Lapphund-Datenbank über 5 Generationen.

Liegt keinerlei Inzucht vor, so erreicht man beispielsweise einen Wert von 0 %, bei einer Verpaarung von Vollgeschwister herhält man einen Wert von 25 %.

Grundsätzlich gilt:
Ein niedriger IK-Wert bedeutet eine geringe Inzuchtrate = gut
Ein hoher IK-Wert bedeutet auch eine hohe Inzuchtrate = schlecht 

Als allgemeine Faustregel gilt:
gut = ein IK von weniger als 3 % / ein AV unter 6,5 %
schlecht =  ein IK von mehr als 3 % /AV von höher als 6,5 %  

 


Was sagt das Tierschutzgesetz?

Inzestzucht stellt ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar und wäre nur im Rahmen eines behördlich genehmigten Tierversuches zulässig!  Im Gutachten zur Auslegung des § 11b des Tierschutzgesetzt, heißt es hierzu:

3.5.1 Inzucht - Linienzucht -

 

Inzucht ist Verpaarung verwandter Tiere. Verpaart man Vollgeschwister, Eltern mit ihren Nachkommen oder Halbgeschwister, so spricht man von Inzestzucht. Inzucht und Inzestzucht führen in der Praxis zum Verlust genetischer Vielfalt und zur Inzuchtdepression. Häufig kommen in ihrem Gefolge sehr rasch auch deletäre Gene zur Auswirkung. Es treten Erbkrankheiten und Anomalien auf, die in der Regel zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Inzestzucht ist bereits ein Verstoß gegen § 11b, wenn sie zur „genetischen Reinigung“, wie es in der populären Zuchtliteratur heißt, empfohlen wird, es sei denn, dies würde im Rahmen eines genehmigten Tierversuchs durchgeführt. 

 


Übersichttabelle für Inzuchtkoeffizienten

Unter der Voraussetzung, dass die Vorfahren selbst nicht ingezüchtet sind, ergeben
sich folgende Inzuchtkoeffizienten: 

 

Inzestzucht (engste Inzucht):
Paarung von Tieren 1. und 2. Verwandschaftsgrades
Inzucht-
Koeffizient %
Elternteil Kind 25,00%
Vollgeschwister 25,00%
Halbgeschwister 12,50%
Onkel + Nichte, Tante x Neffe 12,50%
Großeltern + Enkelkind 12,50%
Zweifache Cousins ersten Grades 12,50%
4 fach Halbcousins ersten Grades 12,50%
Enge Inzucht (nahe Inzucht) : Paarung von Tieren im 3. und 4. Verwandtschaftsgrad.  
3-fache Halbcousins ersten Grades 9,38% 9,38%
1-fache Cousins ersten Grades 6,25% 6,25%
2-facher Cousin ersten Grades + Cousin zweiten Grades 6,25%
2-facher Halb-Cousin ersten Grades 6,25% 6,25%
Mäßige Inzucht (weite Inzucht):  
Paarung von Tieren im 5. und 6. Verwandschaftsgrad  
1-facher Cousin ersten Grades + Cousin zweiten Grades 3,13%
2-fache Cousins zweiten Grades 3,13% 3,13%
1-fache Halb-Cousins ersten Grades 3,13% 3,13%
1-fache Cousins zweiten Grades 1,56% 1,56%

 


Eine einfache Möglichkeit zur Ermittlung des Inzuchtkoeffizienten

Für eine einfachen Berechnung des Inzuchtkoeffizienten bietet sich die IK-Tabelle als ein hilfreiches Werkzeug an.

Anleitung:
Befindet sich z. B. ein gleicher Ahn mütterlicherseits in der 3. Generation, väterlicherseits in der 4. Generation ergibt sich hierzu ein Inzuchtkoeffizent von 1,56 % (Gelb). Sollten sich weitere, gleiche Ahnen auf der mütterlichen und väterlichen Seite befinden, so ist die Summe aller ermittelten Werte als Gesamtinzuchtwert für den Nachkommen zu bilden. In unserem Beispiel haben wir einen weiteren gleichen Ahn mütterlicherseits in der 5. Generation, väterlicherseits in der 3. Generation, hieraus ergib sich ein Inzuchtkoeffizient von 0,78 % (Lavendel). Für den Nachkommen dieser Verpaarung würde sich damit ein Inzuchtkoeffizent von 2,34 % (Gelb 1,56 % + Lavendel 0,78 % = 2,34 %) ergeben.

Da sich in einem „gemeinsamen Ahnen“ die Genetik seiner Vorahnen vereinigt, dürfen für diese Vorahnen keine weiteren Werte ermittelt und addiert werden. Wenn jedoch einer dieser Vorahnen einen gleichen Ahnen auf der anderen Seite findet, der nicht Vorahn des „gemeinsamen Ahnen“ oder Vorahn eines anderen gemeinsamen Ahnen ist, dann muss für diesen ebenfalls ein Wert ermittelt und zu den anderen addiert werden.

 

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